top of page

Die Geschichte der Orgeln in St. Nikolaus Immenstadt
 

Die Geschichte der Orgeln in der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus reicht weit zurück. Über mehr als vier Jahrhunderte wurden Instrumente angeschafft, zerstört, repariert, erweitert und schließlich durch Neubauten ersetzt. Dabei zeigt sich eine Besonderheit, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht: Nicht immer verschwand eine alte Orgel vollständig. Immer wieder wurde vorhandenes Pfeifenmaterial in ein neues Instrument übernommen. Auf diese Weise haben Teile früherer Orgelgenerationen ihre Instrumente überlebt – im Fall der Steinmeyer-Orgel von 1891 sogar bis in die Gegenwart.

Die ausführlichste Darstellung der älteren Orgelgeschichte verdanken wir dem damaligen Immenstädter Stadtarchivar Dr. Rudolf Vogel, der für die Festschrift zur Einweihung der neuen Orgel im Jahr 2004 die archivalischen Quellen auswertete. Seine „Orgelchronik der Pfarrkirche St. Nikolaus“ bildet deshalb die wichtigste Grundlage der folgenden Darstellung (Rudolf Vogel, „Orgelchronik der Pfarrkirche St. Nikolaus“, in der Festschrift zur Orgeleinweihung 2004, S. 6–11).


Die Anfänge im 16. und 17. Jahrhundert


Einen wichtigen Ausgangspunkt bildet eine Stiftung des Jahres 1596. Georg Freiherr zu Königsegg und Aulendorf, Herr der Grafschaft Rothenfels und der Herrschaft Staufen, stellte ein beträchtliches Kapital zur Verbesserung der Seelsorge und zur Verschönerung des Gottesdienstes bereit. Neben Kaplänen, Schulmeister und Singknaben wurde auch ein Organist aus den Erträgen der Stiftung besoldet. Damit ist zwar noch kein bestimmtes Instrument beschrieben, doch darf angenommen werden, dass zu dieser Zeit oder bald danach bereits eine Orgel in St. Nikolaus vorhanden war.

Das Schicksal dieses ersten nachweisbaren Instruments lässt sich nicht mehr eindeutig klären. Vogel zufolge wurde die vermutlich bald nach 1596 beschaffte Orgel irgendwann zwischen 1628 und 1634 zerstört oder schwer beschädigt. In diesem Zeitraum wurde Immenstadt mehrfach von Katastrophen getroffen. Es ist nicht mehr feststellbar, ob ein Stadtbrand auch die Kirche erfasste oder ob die Orgel den 1633 beziehungsweise 1634 in der Stadt plündernden schwedischen Soldaten zum Opfer fiel.

Um 1645 erhielt St. Nikolaus erneut eine Orgel. Vogel berichtet, dass Sebastian Achamer aus Hall in Tirol – in der Festschrift als „Sebastian Achermer“ bezeichnet – eine Orgel nach Immenstadt lieferte. Achamer gehört zu den bekannten Tiroler Orgelbauern des 17. Jahrhunderts; sein Arbeitsgebiet erstreckte sich auch nach Bayern und Schwaben. Die Immenstädter Orgel dürfte allerdings ein vergleichsweise kleines Instrument gewesen sein. Vogel verweist zum Vergleich auf eine von Achamer 1660 für Marktoberdorf gebaute Orgel mit lediglich sechs Registern. Auch die überregionale Forschung weist Sebastian Achamer als einen in Tirol und Bayern tätigen Orgelbauer des 17. Jahrhunderts aus (vgl. Orgellandschaft Tirol, Orgelbauerlexikon „Sebastian Achamer“).

Über das Ende dieser Orgel besteht dagegen Gewissheit. Beim verheerenden Kirchenbrand von 1704 ging mit einem Großteil der Innenausstattung auch das Instrument zugrunde.


Die Orgel von 1715


Schon elf Jahre nach dem Brand konnte wieder eine Orgel aufgestellt werden. Im Jahr 1715 wird ein neues Instrument genannt, das 28 Gulden kostete. Über seinen Erbauer und seine Disposition ist bislang nichts bekannt.

Dieses Instrument blieb über ein Jahrhundert hinweg in Gebrauch, allerdings nicht ohne erhebliche Reparaturen. 1752 arbeitete ein nicht näher bezeichneter Orgelmacher aus Bregenz daran. 1798 führte Franz Anton Haaser aus Stiefenhofen eine Reparatur aus. Haaser ist auch andernorts als Orgelbauer nachweisbar; erhaltene beziehungsweise dokumentierte Instrumente zeigen, dass seine Tätigkeit weit über Immenstadt hinausreichte. So baute er etwa 1798 die Orgel von St. Blasius in Weiler und 1799 ein Instrument in Lingenau (Orgelarchiv Schmidt, Einträge Weiler-St. Blasius und Lingenau).

1809 erlitt die Immenstädter Orgel schwere Schäden durch ein Naturereignis. Bei heftigem Schlagregen stürzten Teile der Kirchendecke in das Pfeifenwerk. Danach befand sich das Instrument offenbar in einem desolaten Zustand. Vogel zitiert eine zeitgenössische Schilderung, nach der manche Pfeifen nur noch erklangen, „wenn und wie es ihnen beliebig ist“, was mitunter „allgemeines Gelächter und Aergerniß unter dem Volke“ hervorgerufen habe.

In einem Brief vom 13. November 1812 schilderte Haaser dem Stadtpfarrer Fidel Schopp den Zustand der Orgel so drastisch, dass sich selbst „ein mittelmäßiges Bauerndorf“ eines solchen Instruments schämen müsse. Für 56 Gulden bot er eine gründliche Instandsetzung an. Der Auftrag wurde erteilt und im Laufe des Jahres 1813 ausgeführt.

Diese Jahreszahl ist insofern wichtig, als spätere Quellen gelegentlich von der „Orgel von 1813“ sprechen. Es handelte sich jedoch nicht um einen Neubau, sondern um das 1715 aufgestellte und 1813 grundlegend reparierte Instrument.


Remigius Haaser und die Orgel von 1835


Trotz der Reparatur blieb der Wunsch nach einer neuen Orgel bestehen. Der Immenstädter Spital-Benefiziat und frühere Prämonstratenser Joseph Anton Angeber, selbst ein hervorragender Musiker und Komponist, hielt das Instrument schon 1815 für unbrauchbar und drängte auf einen Neubau.

Verwirklicht wurde dieser Wunsch erst nach seinem Tod. Im Jahr 1834 erhielt der Immenstädter Schreiner und Orgelbauer Remigius Haaser, ein Sohn Joseph Anton Haasers, den Auftrag für eine neue Orgel. 1835 war das Instrument fertiggestellt. Es besaß 24 Register; Vogel nennt für Material und Arbeit einen Preis von 860 Gulden.

Bemerkenswert ist, dass Haaser nicht einfach sämtliche Teile des alten Instruments beseitigte. Aus Sparsamkeitsgründen übernahm er ausdrücklich die Zinnpfeifen der Vorgängerorgel in seinen Neubau.

Damit lässt sich erstmals eine unmittelbare materielle Verbindung zwischen zwei Generationen der Immenstädter Orgeln nachweisen: Pfeifen aus der 1715 aufgestellten und 1813 reparierten Orgel erklangen nach 1835 im Instrument Remigius Haasers weiter.

Allerdings zeigte auch diese Orgel bald Mängel. Bereits 1847 verlangte Choregent Johann Kleber eine Reparatur. Ein Register sei ruinös, ältere Pfeifen teilweise unbrauchbar; außerdem müsse das Instrument gereinigt und gestimmt werden. Zwischen 1868 und 1870 beklagte auch Klebers Nachfolger Max Eiter den Zustand.

Fidel Haaser, der die Werkstatt seines Vaters Remigius übernommen hatte, unterbreitete 1870 Kostenvoranschläge für größere Arbeiten beziehungsweise eine Erneuerung: 4.830 Mark für 26 und 2.750 Mark für 24 klingende Register. Das notwendige Geld stand jedoch nicht zur Verfügung, sodass zunächst nichts geschah.

Bis in die 1880er-Jahre verschlechterte sich der Zustand weiter. Eine Lokalzeitung beschrieb 1889 eindrucksvoll das „Schnaufen und Aechzen des Gebläses“, das „Schnarren und Knarren“ der Bässe sowie „gellendes Quieksen“ und „dumpfes Brummen“ steckengebliebener Tasten. Der Organist habe bisweilen hilflos vor dem Instrument gesessen, während sich die Blicke der Gemeinde auf ihn richteten.

Damit war die Entscheidung für einen Neubau kaum noch aufzuschieben.


Die Steinmeyer-Orgel von 1891


Als Abschluss der von 1875 bis 1888 durchgeführten Kirchenrestaurierung bestellte die Kirchenverwaltung 1889 bei der renommierten Orgelbauanstalt Georg Friedrich Steinmeyer & Co. in Oettingen ein neues Instrument.

Die 1891 vollendete Orgel trug bei Steinmeyer die Opusnummer 427 und verfügte über 25 klingende Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Kosten von 10.400 Mark wurden nach Vogels Darstellung vollständig durch Spenden der Pfarrgemeinde aufgebracht. Auch heutige Orgeldokumentationen führen das Instrument als Steinmeyer Opus 427 von 1891, II/25 (Organindex, „Immenstadt, St. Nikolaus“).

Am 11. Juli 1891 wurde die neue Orgel im Rahmen eines Konzerts offiziell geprüft. Sowohl der Prüfungskommissar als auch der Choregent Heinrich Scherer äußerten sich ausgesprochen positiv. Gelobt wurden insbesondere der runde und füllige Klang, die charakteristischen Einzelstimmen, die solide Bauweise, der ruhige Wind sowie die leichtgängige Mechanik.

Aus heutiger Sicht handelt es sich dabei um eine ausgesprochen interessante Momentaufnahme der spätromantischen Orgelästhetik. Das Instrument war offenbar bewusst auf einen grundtönigen, tragfähigen und farbenreichen Gesamtklang hin disponiert.


Erweiterung beim Kirchenumbau 1907/08


Als St. Nikolaus in den Jahren 1907/08 nach Osten und Westen erweitert wurde, musste auch die Orgel abgebaut werden. Danach stellte die Firma Steinmeyer das Instrument wieder auf, modernisierte und vergrößerte es.

Es erhielt ein drittes Manual sowie nach Vogel acht zusätzliche Register. Außerdem wurde der bis dahin erforderliche Blasbalgzieher durch einen Elektromotor ersetzt.

An dieser Stelle besteht eine kleine Unklarheit in der Überlieferung. Aus den von Vogel genannten 25 Registern von 1891 und acht zusätzlichen Registern ergäben sich rechnerisch 33 Register. Neuere Orgeldatenbanken führen den Zustand von 1908 dagegen als III/34. Ohne Einsicht in den damaligen Steinmeyer-Werkvertrag oder eine originale Disposition lässt sich diese Abweichung derzeit nicht sicher auflösen (vgl. Rudolf Vogel, Festschrift 2004; Organindex „Immenstadt, St. Nikolaus“).

Entscheidend ist jedoch: 1908 entstand keine völlig neue Orgel. Das Instrument von 1891 wurde abgetragen, erweitert, modernisiert und wieder aufgebaut. Die Steinmeyer-Orgel bildete somit über Jahrzehnte den Kern des Instruments in St. Nikolaus.

Ein nicht verwirklichtes Orgelprojekt während des Zweiten Weltkriegs

Bereits 1942 dachte man erneut über eine grundlegende Veränderung nach. Stadtpfarrer Dr. Ludwig Haider fragte bei Orgelbaumeister Zeilhuber in Altstädten an, ob die bestehende Orgel umgebaut werden könne.

Die Pläne waren beachtlich: Vorgesehen waren 46 klingende Register, ein Transmissionsregister und ein vollständig neues Gehäuse, das der Münchner Bildhauer Hans Müller gestalten sollte.

Der Zweite Weltkrieg verhinderte das Projekt. Zeilhuber erklärte, dass Material nur noch für dringend notwendige Reparaturen zur Verfügung stehe und seine Werkstatt in zunehmendem Maße Aufträge für die Wehrmacht erfüllen müsse.

So blieb die Steinmeyer-Orgel noch mehr als zwei Jahrzehnte bestehen.

St_edited.jpg
Steinmeyer-Orgel.jpg

Die Zeilhuber-Orgel von 1965


1963 untersuchte der Augsburger Domkapellmeister und amtliche Orgelsachverständige Paul Steichele die Orgel. Sein Urteil fiel ausgesprochen kritisch aus. Insbesondere die pneumatische Traktur galt ihm als ungenau und unzuverlässig, der Spieltisch als veraltet und die Intonation als unausgeglichen, obertonarm und teilweise hart.

Bereits seit 1961 hatte die Kirchenverwaltung einen finanziellen Grundstock für ein neues Instrument geschaffen. 1963 erhielt schließlich die Orgelbaufirma Zeilhuber in Altstädten den Auftrag.

Hier ist die Darstellung Vogels genauer als manche heutige Kurzübersicht. Während Organindex den Vorgang als erneuten „Umbau und Erweiterung“ der Steinmeyer-Orgel bezeichnet, spricht Vogel ausdrücklich von einem neuen Werk mit 43 klingenden Registern, 2.970 Pfeifen, drei Manualen und Pedal sowie elektrischer Traktur. Nach einer Bauzeit von zehn Monaten wurde die Orgel am 16. Oktober 1965 von Domkapitular Bernhard Vill geweiht.

Sachlich dürfte man deshalb am besten von einem Zeilhuber-Neubau unter Verwendung vorhandenen Pfeifenmaterials sprechen.

Denn vollständig neu war das Klangmaterial nicht. Das spätere Gutachten von Kirchenmusiker Stephan Merkes stellte fest, dass in der Zeilhuber-Orgel sowohl Metall- und Holzpfeifen aus der früheren Orgel als auch Pfeifen aus anderen Instrumenten Verwendung gefunden hatten. Teilweise waren alte Pfeifen verändert oder gekürzt worden.

Damit lebte ein Teil des Pfeifenwerks der Steinmeyer-Orgel von 1891 auch im Zeilhuber-Instrument von 1965 weiter.


Vom Zeilhuber-Instrument zur Schmid-Orgel


Nach einigen Jahrzehnten traten zunehmend technische und klangliche Probleme auf. Bei einem Ortstermin im April 1992 kamen Fachleute übereinstimmend zu der Auffassung, dass eine bloße Reparatur nicht mehr sinnvoll sei.

Ein ausführliches Gutachten von Stephan Merkes aus dem Jahr 1999 beschreibt die Schwierigkeiten genauer. Kritisiert wurden unter anderem die elektropneumatische Traktur, die Kegelladen, unzuverlässige Kontakte und eine unbefriedigende Klangabstrahlung in den Kirchenraum. Hinzu kam die heterogene Zusammensetzung des Pfeifenwerks aus Material unterschiedlicher Herkunft.

Im April 2000 entschloss sich die Kirchenverwaltung deshalb, einen Neubau auszuschreiben. Den Zuschlag erhielt im Mai 2002 die Orgelbauwerkstätte Siegfried Schmid in Immenstadt-Knottenried.

Die neue Orgel wurde 2004 fertiggestellt. Die Baukosten beliefen sich laut Vogel auf nahezu 620.000 Euro. Ein großer Teil war über Jahre hinweg aus Rücklagen und Spenden finanziert worden; für den Umbau der Empore beteiligte sich auch die Diözese.

Die Schmid-Orgel besaß zunächst 37 klingende Register. Der Spieltisch verfügt über drei Manuale, wobei das erste Manual als Koppelmanual angelegt wurde; deshalb findet sich in offiziellen Verzeichnissen teilweise die Bezeichnung II/37, obwohl ein dreimanualiger Spieltisch vorhanden ist (Bistum Augsburg, „Orgeln nach 1950“).

Später wurde das Schwellwerk um eine Voix humaine 8′ ergänzt.

 

Was von der Steinmeyer-Orgel erhalten blieb

 

Mit dem Abbau der Zeilhuber-Orgel endete die Geschichte der Steinmeyer-Orgel von 1891 erstaunlicherweise noch immer nicht.

Historisch wertvolles Pfeifenmaterial aus dem Steinmeyer-Bestand wurde aufbewahrt. Ein Teil dieser Pfeifen fand später sogar außerhalb Immenstadts eine neue Verwendung.

Als die historische Steinmeyer-Orgel von St. Gallus in Scheidegg restauriert und auf ihren Zustand von 1895 zurückgeführt wurde, waren von ihrem ursprünglichen Pfeifenwerk nur noch etwa 35 Prozent erhalten. Für die Rekonstruktion konnte die Firma Sandtner auf eingelagerte Stimmen der ehemaligen Orgel von St. Nikolaus Immenstadt, Steinmeyer Opus 427 von 1891, zurückgreifen. Dadurch lebt heute ein Teil der früheren Immenstädter Steinmeyer-Orgel in der Scheidegger Steinmeyer-Orgel weiter (Orgelarchiv Schmidt, „Scheidegg – St. Gallus“).

Welche einzelnen Pfeifenreihen oder Register aus Immenstadt nach Scheidegg gelangten, ist in der öffentlich zugänglichen Dokumentation allerdings nicht näher bezeichnet. Hier endet gegenwärtig die sicher rekonstruierbare Spur.

Rückkehr historischen Pfeifenwerks: das Fernwerk von 2025

Ein weiterer Teil des erhalten gebliebenen historischen Pfeifenmaterials blieb in Immenstadt.

Im Jahr 2025 konnte die Schmid-Orgel um ein Fernwerk erweitert werden, das in einem Seitenfenster über der linken Sakristei untergebracht ist. Der Verein „Freunde der Kirchenmusik St. Nikolaus e. V.“ bezeichnet das Projekt ausdrücklich als Erweiterung der Schmid-Orgel „mit historischen Steinmeyer-Pfeifen aus dem Bestand der Pfarrei“.

Das Fernwerk wird vom ersten Manual des Hauptspieltisches angesteuert. Mit dieser Erweiterung verfügt die Gesamtanlage heute über 45 klingende Register. Die aktuelle Disposition nennt im Fernwerk Gedeckt 8′, Oktave 4′, Gemshorn 4′, Quinte 2 2/3′, Schweizerpfeife 2′, Terz 1 3/5′ und Clarinette 8′; hinzu kommen Windspiel und Tremulant (Freunde der Kirchenmusik St. Nikolaus e. V., „St. Nikolaus“).

Damit sind Teile einer Orgel, die 1891 für St. Nikolaus gebaut wurde und mehrere tiefgreifende Veränderungen überstanden hat, nach mehr als 130 Jahren noch immer in ihrer ursprünglichen Kirche zu hören.


Eine Geschichte des Bewahrens und Veränderns


Die Geschichte der Orgeln von St. Nikolaus ist deshalb nicht nur eine Folge immer neuer Instrumente. Sie erzählt zugleich von einem Umgang mit vorhandenem Material, der sich über Jahrhunderte verfolgen lässt.

Von der Orgel des frühen 17. Jahrhunderts blieb nach Kriegen und Bränden nichts erhalten. Die 1715 errichtete Orgel überdauerte dagegen zumindest teilweise in den Zinnpfeifen, die Remigius Haaser 1835 für seinen Neubau wiederverwendete. Ob Teile dieser Haaser-Orgel wiederum in die Steinmeyer-Orgel von 1891 gelangten, lässt sich nach dem heutigen Kenntnisstand nicht mehr belegen.

Deutlich besser nachvollziehbar ist die jüngere Linie. Die Steinmeyer-Orgel von 1891 wurde 1908 erweitert. Beim Neubau von 1965 verwendete Zeilhuber Teile ihres Pfeifenwerks erneut. Beim Abbau dieses Instruments im Zuge des Neubaus von 2004 wurde wiederum historisch wertvolles Steinmeyer-Material bewahrt. Einige dieser Pfeifen dienen heute der Rekonstruktion der historischen Steinmeyer-Orgel in Scheidegg, andere kehrten mit dem Fernwerk 2025 in den klingenden Bestand von St. Nikolaus zurück.

So verbindet die heutige Orgelanlage modernsten Orgelbau mit einem materiellen Zeugnis ihrer eigenen Geschichte. Das macht die Orgeltradition von St. Nikolaus bemerkenswert: Nicht alle früheren Instrumente blieben erhalten – aber manches von ihrem Klang hat überlebt.

2026 Michael Hanel

bottom of page